„Es ist nicht zu wenig Zeit, die wir haben, sondern es ist zu viel Zeit, die wir nicht nutzen.“

Seneca

„Ich brauche mehr Zeit! Immerzu bin ich gestresst, nie finde ich Zeit genug für mich!“

Wem von uns sind Gedanken dieser Art nicht schon durch den Kopf gegangen? In einer immer komplexeren Welt voll konkurrierenden Anforderungen fühlen wir uns oft überfordert, versuchen, all unseren Aufgaben gerecht zu werden, leiden unter immer mehr Stress. Wir fühlen uns verpflichtet, allen Bedürfnissen gerecht zu werden – und vergessen uns selbst dabei.

Der römische Philosoph und Naturforscher Seneca lebte schließlich vor 2.000 Jahren. Was konnte er schon von unserer Zeit erahnen, was von den einschneidenden Veränderungen der letzten Jahrzehnte und den technischen Möglichkeiten, die uns heute zur Verfügung stehen?

Die wesentlichen Dinge

Dennoch sind Senecas Worte heute ebenso gültig wie eh uns je. Mehr Zeit können wir auch mit allen technischen Mitteln nicht erzeugen. Was wir jedoch tun können, ist uns Klarheit verschaffen – Klarheit über unsere Werte, also über das, was uns selbst am wichtigsten erscheint – und entsprechende Prioritäten setzen. Wir brauchen einen Kompass, der uns den Weg durch diesen undurchdringlichen Dschungel an Herausforderungen weist und Kurskorrekturen möglich macht.

Mehr Kontrolle?

„Größere Effizienz und Kontrolle“ – so lauten die Prinzipien des konventionellen Zeitmanagements. Eine noch lückenlosere Planung unserer verfügbaren Zeit soll dabei helfen, unsere Zeit effektiver zu nutzen. Sind aber Effizienz und Kontrolle der Weg zu einem sinnerfüllten Leben?

Sicher nicht, denn zum Einen lässt sich nicht jedes Detail kontrollieren: Konsequenzen, die unseren Entscheidungen folgen, lassen sich nie genau vorhersagen, nur die Entscheidungen selbst können wir beeinflussen. Zum anderen ist Effizienz, also: „mehr in kürzerer Zeit“, nicht immer besser. Viel wichtiger ist doch, bei dem, was wir tun, auch effektiv, also: „wirksam“, zu sein.

Lebensqualität ist bestimmt keine Frage der Geschwindigkeit.

Welche Werte?

Werte wie Liebe, Sicherheit, Status, Anerkennung, Ruhm – Sie sind für unser Leben von höchster Bedeutung, bestimmen sie doch unsere Entscheidungen und Handlungen. Stehen sie aber im Widerspruch zu den realen Gegebenheiten, führen sie nicht zu mehr Lebensqualität. Im Gegenteil, wir fühlen uns noch mehr gehetzt, erfolg- und wirkungslos. Es ist also immens wichtig, die gesellschaftlichen und privaten Werte, denen wir uns unterwerfen, zu hinterfragen. Nur so können wir erkennen, ob die Werte, die wir anstreben, wirklich unseren eigenen Bedürfnissen entsprechen oder uns nicht etwa von außen so lange aufgedrängt wurden, bis wir sie verinnerlichten.

Unsere Zeit nutzen

Die Antworten auf drei Fragen können ganz entscheidend dazu beitragen, unsere Zeit zu nutzen:

Welche Tätigkeit, würde ich sie exzellent und konsequent ausüben, hat bedeutende positive Folgen für mein Privatleben?

Welche Tätigkeit, würde ich sie exzellent und konsequent ausüben, hat bedeutende positive Folgen für mein Berufsleben?

Und wenn ich weiß, dass diese Tätigkeiten so viel bewirken würden, warum tue ich sie nicht schon jetzt?

Seneca konnte sicher nicht erahnen, wie das Leben in 2.000 Jahren nach seiner Zeit aussehen würde. Recht behält er trotzdem.

Quellen:

Covey, S. R., Merrill, A. R., & Merrill, R. R. (1995). First things first. New York: Simon and Schuster.

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