Zeit haben nur diejenigen, die es zu nichts gebracht haben.
Und damit haben sie es weiter gebracht als alle anderen.

Guareschi

Halten wir doch einen Moment inne. Was löst das obige Zitat in uns aus? Stimmten wir noch dem ersten Teil zu, in dem das Verfügen über (zu) viel Freizeit mit Erfolglosigkeit gleichgesetzt wird? Vielleicht denken wir an unseren vollen Terminkalender und unseren Wunsch, mehr Zeit für die schönen Dinge des Lebens zu haben – den wir uns aber aus vielen drängenden Gründen nie erfüllen. Wer erfolgreich sein will, muss schließlich funktionieren!

Was aber ruft dann der zweite Teil des Zitats in uns hervor?

Giovannini Guareschi, Journalist, Karikaturist und Autor der wunderbar pointierten Erzählungen über „Don Camillo und Peppone“, war ein Meister darin, Zwiespalte aufzudecken und sie uns augenzwinkernd vor Augen zu halten.

Der Mensch als Faktor

Leistung ist wichtig. Diese Maxime prägt uns gesellschaftlich, sie ist für viele von uns bereits zur eigenen Ansicht und zum inneren Motivator geworden. Sie treibt uns voran und bewirkt, dass wir uns immer neue Ziele stecken, die es zu erreichen gilt. Manchmal lässt sie uns jedoch vergessen, was uns wirklich hilft, unser Leben sinnerfüllt zu gestalten. Es sind die Menschen um uns herum. Menschen werden in unserem Leistungsdenken oft als Hindernisse auf dem Weg zum Erfolg oder als Mittel angesehen, um schneller ans Ziel zu kommen. Wenn wir jedoch dieser Denkweise verhaftet bleiben, haben wir bereits vergessen, dass alle wesentlichen Errungenschaften, alle hervorragenden Leistungen, aber auch alle Freuden im Leben durch Beziehungen überhaupt erst möglich gemacht werden. Wir alle verändern uns durch Interaktion mit unseren Mitmenschen, was wiederum Entwicklung stattfinden lässt. Es entstehen ganz neue Aspekte. Sichtweisen, die wir ohne Interaktion nicht einmal erahnen können, entwickeln sich durch diese interdependenten Kräfte. Wer Menschen als Faktoren ansieht und glaubt, seine eigene Leistung unabhängig von anderen erbringen zu können, der irrt. Nicht einsame Entscheidungen, sondern Kommunikation, Empathie und Faszination bringen uns weiter.

Kompetenzentwicklung als Schlüssel zum Erfolg?

Zeitmanagementsysteme, die uns dabei helfen sollen, effizienter zu arbeiten und unsere Zeit besser zu nutzen, sehen Kompetenzentwicklung als Grundvoraussetzung für effektives Zeitmanagement und höhere Lebensqualität. Doch was genau beschreibt der Begriff Kompetenz? In der Management-Literatur der letzten Jahrzehnte wurde dieser Begriff zu einem Sammelsurium aus Fähigkeiten, Fertigkeiten und Erfahrungen, Verhaltensbereitschaften und Verhaltensergebnissen, wobei die Voraussetzungen und Konsequenzen erfolgsrelevanten Handelns vermischt wurden. Aus wirtschaftspsychologischer Sicht werden Kompetenzen als ganzheitliche Ausprägung handlungsrelevanter Fähigkeiten bezeichnet. Damit kommen wir dem Kern der Bedeutung bereits näher, der sich auch in uralten und zeitlosen Überlieferungen aller Kulturen wiederfindet: Echte persönliche Wirksamkeit entsteht nicht durch endloses Perfektionieren eigener Fertigkeiten, sondern aus einer Kombination von Können und Charakter. Persönlichkeitsentfaltung und Charakterbildung sind der Schlüssel zu einem sinnerfüllten Leben.

Erfolg und Glück

Macht Erfolg glücklich? Die Beobachtung, dass Menschen, die ein einfaches und überschaubares Leben führen, oft als sehr glücklich erscheinen, könnte uns – zusammen mit dem obigen Zitat von Guareschi – zu der Erkenntnis kommen lassen, dass wahres Glück nur in sehr einfachen Verhältnissen zu finden sein kann. Von Nahem betrachtet dient diese Ansicht jedoch viel eher als Ausrede, mit der wir, denen es gut geht und die wir in hoch entwickelten Leistungs- und Wohlstandsgesellschaften leben, die Tatsache rechtfertigen, dass Wohlstand äußerst ungleich und ungerecht verteilt ist. Die Ergebnisse der modernen Glücksforschung deuten dem entgegen stark darauf hin, dass auch materielle Sicherheit und beruflicher Erfolg wichtige Glücksfaktoren sind. Wieso sind dann aber so wenige von uns glücklich? Vielleicht stehen wir uns einfach viel zu oft selbst im Weg. Bevor wir uns fragen: „Mache ich es richtig?“, sollten wir die Frage: „Mache ich das Richtige?“, stellen. Statt uns in Perfektionismus zu verirren, sollten wir überhöhte Ansprüche zurückschrauben, das Große und Ganze im Auge behalten, uns kompromissbereit und flexibel zeigen. Entspannung zur rechten Zeit und interessante Gespräche mit anderen lassen uns im Anschluss nicht nur effektiver arbeiten, sondern helfen auch, den wichtigen Dingen im Leben den Platz einzuräumen, der ihnen zusteht.

Möglicherweise hat der Leistungsmensch in uns dann manchmal das Gefühl, es nicht so weit gebracht zu haben. Und dennoch haben wir es damit weiter gebracht.

Quellen:

Covey, S. R., Merrill, A. R., & Merrill, R. R. (1995). First things first. New York: Simon and Schuster.

Hanisch, H. (2012). Soft Skills-Knigge 2100: Soziale Kompetenz, Persönlichkeit, Selbstmanagement. Norderstedt: Books on Demand GmbH.

Meyer, A.-M. (2004). Die Macht der Kürze: das 1×1 der Realität. Norderstedt: Books on Demand GmbH.

Schuler, H. (2006). Arbeits- und Anforderungsanalyse. Lehrbuch der Personalpsychologie, 2, 45-68. Göttingen: Hogrefe

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